Tägliche Tabus

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Tägliche Tabus

Beitrag  Hubert Laufer am Mo Dez 16, 2013 11:31 am

VORWORT

Tägliche Tabus bestimmen das Leben der Mehrheit . Es gehört zum
Glück für viele , dass sie diese nicht erkennen . Die Belastung für den Einzelnen
wäre zu groß . Wir erkennen mitunter Tabus gar nicht , weil uns der Fachbereich
unbekannt ist . Was sind denn Tabus ? Es sollen ausschließlich geistige festgefügte
Meinungen erörtert werden , die aus verschiedenen Gründen nicht erkannt oder
nicht geändert werden . Es sollen folglich Tabus erörtert werden , die den Blickwinkel
aller konstruktiv bereichern können . Die Selbstjustiz etwa ist kein Tabu , sondern
ein sinnvoller Fakt der gesellschaftlichen Ordnung , dessen Nutzen jedem dient .
Trotzdem schleichen sich in die Gesellschaft Tabus ein , die überwunden werden
könnten . Viele kennen wir , aber der Wille diese zu ändern ist gering .

1.  Sozialversicherung

Es ist zwar allen bekannt , dass lediglich die sozialversicherungspflichtigen Arbeitnehmer
in die so genannte Rentenkasse einzahlen . Trotzdem wurde es tabuisiert dieses Problem
zu ändern . Die Gründe dafür sind ebenfalls bekannt . Das Grundgesetz kann lediglich
mit einer Zweidrittel- Mehrheit geändert werden . Die Beamten im Parlament sind nicht
bereit ihre Privilegien aufzugeben . Weitere berufsständische Versorgungssysteme sind
politisch so stark , dass es die Regierungen bisher nicht wagten , den Schritt zur
Erwerbstätigen - Sozialversicherung anzugehen . Was ist daran Tabu , wenn es alle wissen ?
Wir sollten auch ein Tabu als gesellschaftlichen und politischen Konflikt sehen können .
Die politische Mehrheit vertraut darauf , dass die Betroffenen die Konsequenz dieser
sozialen Diffamierung nicht erkennen . Die Regierung erlaubte sich sofort im Dezember 2O13
eine solche Unerhörtheit . Um Wahlversprechen einzulösen , wurde die bereits vertraglich
zugesagte Senkung des Sozialbeitrages zurückgenommen . Wieder müssen die Arbeitnehmer ,
die in die Sozialversicherung einzahlen , die Kosten übernehmen . Um dieses Tabuthema zu
ändern , müsste das sozialpolitische Verantwortungsbewusstsein über den Tag hinausgehen .

ÖFFENTLICHE  MEINUNG  

Es gibt viel über das jeder anderer Meinung sein kann . Dabei sollten wir den roten Faden nicht
aus den Augen verlieren . Dazu gehört die öffentliche Meinung . Nach der Wiedervereinigung
hörte ich wiederholt den Spruch : " Jetzt dürfen wir unsere Meinung sagen , aber niemand
hört uns zu ." Inhaltlich ist das der Kern unseres Konflikts , seit wir die freie Meinung als politische
# Floskel vor uns hertragen . Denn die öffentliche Meinung wird von den Medien gemacht .
Minderheiten - Meinungen werden gehört , aber nicht wirklich zur Kenntnis genommen .
Gern heißt es : Wir haben keine Zensur . Aber zensiert wird durch die Auswahl und durch
durchaus strenge Richtlinien darüber , welche Meinung gewünscht ist . Insofern habe ich die
Möglichkeit kritische Momente zu erwähnen . Mitunter mache ich nämlich die Erfahrung , dass
meine Meinung in Leserbriefen nicht veröffentlicht wird . Dabei kann ich versichern , dass ich
stets ausgewogen argumentiere und keine extremen Meinungen vertrete . Pauschal meine ich
seit langem , dass wir nur eine dauerhaft friedliche Atmosphäre schaffen , wenn wir den
Spruch : "LEBEN UND LEBEN LASSEN " , einigermaßen vernünftig praktizieren .
Ich wünsche mir , dass jeder Leser sich selbst fragt , ob er den erwähnten Spruch beherzigt .

PRIVILEGIEN

Die demokratischen Gesellschaftsordnungen gehen von einigen Axiomen aus , die der Mehrheit
suggerieren , dass alle die gleichen Lebenschancen haben . So wurde es möglich , dass unter-
schiedliche soziale und geistige Voraussetzungen nicht wahrgenommen oder so stark relativiert
werden , dass sie von vielen nicht als Defizit der Chancengleichheit erkannt werden .
Dies ist an einem praktischen Beispiel erklärbar . Eine Minderheit besitzt die sozialen monetären
Möglichkeiten ihren Nachwuchs sofort und durchgehend auf Privatschulen zu schicken .
Selbst das Studium wird an so genannten Eliteschulen fortgesetzt . Es sind die Menschen , die
dann Führungspositionen übernehmen und in allen Sektoren die Verantwortung haben .
Eine Durchlässigkeit dieses privilegierten Systems ist so minimal gegeben , dass der Spruch :
"Die da oben , wir da unten" , inhaltlich zutreffend ist . Die wenigen Ausnahmen , aufgrund
verschiedener Faktoren , spielen kaum eine Rolle . Dabei sagt der Satz : " Zum richtigen Zeitpunkt
am richtigen Ort zu sein " , alles darüber aus .
Wer die Biographien bekannter Personen genauer und unbefangen liest , wird die vertretene These
nachvollziehen können . Es gehört zur existenziellen und zeitlichen Begrenzung aller , dass diese
Details weder hinterfragt noch geändert werden . Es helfen wieder pauschale Hinweise .
Wer die bevorzugte Situation nutzen kann , sagt : Warum nicht , das ist doch menschlich .
Wer diese nicht besitzt , sagt : Ich sehe , dass ich vorankommen alles andere stört mich nicht .
In  einer solchen  Überzeugung fehlt die Zeit , die Muße darüber nachzudenken :
Gibt es Faktoren die verbessert werden können , um das demokratische Ideal zu stärken .
Die subjektive Einschätzung der Gesamtheit spiegelt sich folglich nicht in den Studiengängen
wider , sondern ist vom Menschenbild abhängig , welches die Minderheit der Mehrheit suggeriert .
Dies wird an den seit einigen Jahren verkürzten Studiengängen deutlich . Die inhaltliche Absicht
lautet : Schneller studieren und für die Gesellschaft schneller nützlicher zu sein . Pauschal wird
gesagt : So verdient ihr schneller euer eigenes Geld . Damit wurde die Spezialisierung vorangetrieben
und die Zeit minimiert , in der der Einzelne über sich , die Gesellschaft und allgemeine Fragen
nachdenken kann .  Es fehlt die geistige Auseinandersetzung mit Alltagsfragen .  
   
FACHKOPETENZEN

Niemand bestreitet , dass die berufliche Spezialisierung für den Einzelnen , die Gesellschaft und
die Wirtschaft wichtig ist . Wenn es jedoch um die täglichen Tabus in unserer Gesellschaft geht ,
sollten die negativen Aspekte angesprochen werden - dürfen .  Je wichtiger die Fachkompetenz
eingestuft wird , umso höher wird derjenige dafür bezahlt .Dieses Einkommen ist Basis des
sozialen Status . Folgt man jedoch den zuvor angegebenen Hinweisen , dann meinen viele :
Ich habe es zu etwas gebracht ! Diese Tatsache wird einerseits  nicht angezweifelt , andererseits
wird tabuisiert , dass das Spezialwissen nicht ausreicht um gesellschaftliche Zusammenhänge
distanziert und sachlich zu beurteilen .Dies bleibt ein wichtiger Grund dafür , dass politische
Meinungen voller Emotionen sind und die Realität nicht angezweifelt wird .
"Man kann nicht gegen Windmühlenflügel kämpfen" , wird gern eingewendet .
Das führt jedoch dazu , dass viele dazu übergegangen sind , sich mit entspannendem Zeitvertreib
zu entschuldigen . Nämlich dafür , dass die Dinge eben sind wie sie sind .
"Ich mache mir keinen Kopf über das , was ich nicht ändern kann" , lautet die flapsige Bemerkung .
Insofern dringt nicht ins mehrheitliche Bewusstsein , was in der Gesellschaft krank ist und sofort
geändert werden müsste . Dazu gehört , dass der Wettbewerb ab dem Schulbeginn nicht fair ist .
Ein modernes Stichwort lautet : Inklusion . Auf den ersten Blick soll es die Chancengleichheit
benachteiligter Kinder erhöhen . Übersehen wird schlicht , dass dies ein politische Ziel ist , das
nicht realistisch übertragen werden kann . Die zu fördernden Kinder können frustriert werden ,
weil ihnen die Schule das Gefühl gibt , nicht mithalten zu können . Die übrigen Kinder werden
gezwungen mehr als nötig Rücksicht zu nehmen . Eine individuelle Förderung findet also für
niemanden statt . Pädagogische Fachkräfte bestätigen diese Beobachtung und verweisen noch
darauf , dass gar nicht genügend Lehrkräfte vorhanden sind , um die politische Aufgabe
umzusetzen .  
Die modernen Bildungskonzepte beinhalten : Es genügt Fachkenntnisse zu erwerben und möglichst
damit Karriere zu machen .  

LEISTUNG

Dieser Begriff wird überwiegend  unsachlich verwendet . Beinahe jeder kann Leistung anders
bewerten oder einordnen . Nimmt man die öffentliche Meinung zu Hilfe , zeigt sich , dass Leistung
als wirtschaftlicher und monetärer Wertzuwachs gesehen wird . Leistung wird damit einseitig
beurteilt und bezieht niemanden ein , der durch manuelle Arbeit schwere körperliche Leistung
erbringt . Haste was , dann biste was , ist die flapsige Meinung vieler . Bezogen auf den
Wirtschaftskreislauf ist das jedoch ein unsachliches Argument . Millionen können nur mit
fundierter körperlicher Leistung ihren Beitrag zum gesellschaftlichen Wohlstand beitragen .
Weder die Wirtschaft noch die Politik würdigt diese Realität . Stattdessen wird von zu hohen
Personalkosten gesprochen . In der negativen Konsequenz können wir daraus schließen , dass
der finanzielle Wertzuwachs nicht wenige Personen dazu verleitet : Maß und Gesetze zu ignorieren .
Allein so ist zu verstehen , dass der Steuerbetrug ein Symbol für die Gier von gut verdienenden
Menschen in Wirtschaft und Politik wurde .Die Bezeichnung " Steuersünde " , relativiert
diesen Vorgang als harmlos . Motto : Das kann jedem passieren . Diese Straftat kann aber nur
von denjenigen begangen werden , die meinen , ihre Leistung verdiene das hohe Einkommen
und sie sind gleichzeitig berechtigt den Staat zu betrügen . Obwohl jeder weiß , dass der Staat Geld
für die diversen Aufgaben benötigt . Makaber ist es , dass sogar Politiker in Ämtern sich dieser
Gier nicht entziehen konnten . Schließlich ist es für sie das berufliche A und O für die Verantwortung
im  Staat zu sorgen . Dafür werden sie auch bezahlt . Insofern kann an dem Beispiel festgestellt
werden , dass nicht nur das Verantwortungsgefühl für die Gesellschaft im Argen liegt , sondern auch
der Leistungsbegriff völlig unsachlich verwendet wird .

Charaktere

In der öffentlichen Meinung wird viel zu selten darüber diskutiert , dass unser unbewusster Charakter
nicht unbedeutend dafür verantwortlich ist , wie viele  Stufen wir im jeweiligen Job schaffen .
Unsere gesamte Wirklichkeit , wesentlich durch die Medien geprägt , geht davon aus , dass die
Selbstdarstellung unverzichtbar für die so genannte Karriere ist und bleibt . Bei einer Jobbewerbung
wird derjenige genommen , dass sich besser verkaufen kann . Diese Meinung ist allgemein üblich .
Was machen diejenigen , die nicht ausgewählt werden ? Mit viel Glück findet der übersehene Bewerber
bei einem anderen Betrieb eine Stelle . Aber sicher ist das nicht . Die Selbstverliebtheit  des Narzissten :
Ich bin wer , ist ein großes gesellschaftliches Tabu . Denn wer Position X erreicht , wird nicht mehr
gefragt : Wie wurdest du ausgewählt ? Vielmehr wird dessen Selbstwertgefühl gestärkt : Wir haben
den Richtigen gewählt . Damit es nicht zu theoretisch klingt : Der Priester wird Bischof . Das kann einer
nur werden , wenn er innerhalb der Hierarchie Förderer hat . Im Amt kann er -fast - schalten und walten
wie er möchte . Es fehlt eine ernste Kontrollinstanz . Der Bischof wird schon das Beste wollen usw.
Nun erlebt die Katholische Kirche , dass ein Amtsträger überwiegend an den Gremien vorbei die
eigene Befugnis weit überzogen hat . Details sind momentan zweitrangig . Es geht um die Beobachtung ,
dass dessen Charakter in der negativen Konsequenz niemand erkannt hatte . Wäre dem nicht so
gewesen , hätte er das Amt nicht erhalten . -- Wie viel Schaden durch diese unerkannten Narzissten
gesellschaftlich und menschlich entsteht , bleibt nicht nur im Dunkeln , sondern wird gezielt und bewusst
tabuisiert . Denn dies müsste längst flächendeckend überprüft werden . Mitunter erfahren wir wie
nebenbei . Der Bankchef Y hat hohe Verluste eingefahren . Er wurde entlassen und abgefunden .
Würde vorher intensiver nach der charakterlichen Eignung gefragt , könnte mancher Schaden volks-
wirtschaftlich abgewendet werden .

Die Charaktere im Alltag.

Adel
Individualität
Inklusion
Menschenbild
Paradigmenwechsel  aus Zeitgründen nur Stichworte festgehalten .
Fortsetzung folgt.

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