MEINE LEBENSSPUREN

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MEINE LEBENSSPUREN

Beitrag  Hubert Laufer am Di Apr 21, 2015 8:08 am

Vorwort
Jeder kann die eigenen Lebensspuren aufzeichnen.
Vielleicht sind Sie bereit mir Ihre Geschichte zu mailen.
hubertlaufer@aol.com
In meiner Erz. WINTERBLUMEN habe ich bereits einiges mitgeteilt.
Im Folgenden beginne ich ab etwa 1945.
Mein Anliegen bleibt, dass ich Sie motivieren möchte, Ihr Leben aufzuschreiben.
Wichtigist dass Sie dies als mentales Training einordnen können.
Wie in anderen Texten, schreibe ich spontan. Fehler und spätere Korrekturen
sind möglich. Es geht mir um die inhaltliche Erzählung.

FREMDE WELTEN.

Als wir, meine Mutter und ich, in Rottalmünster /Niederbayern ausgeladen wurden,
kamen wir in einer anderen fremden Welt an. Einige Monate vor meinem 11.Geburtstag
staunte ich und war sprachlos. Zunächst verstanden wir die Einheimischen nicht:
" Wenn`st mit mir schmatzen willst, musste deitsch reden ", war eines der Sprichwörter,
die ausdrückten. Deutsch ist die bayrische Mundart. Als Kind lernt man fremde Sprachen
schneller, so dass ich bald die gleichaltrigen Spielgefährten verstehen konnte. Das
Nachbarmädchen Zensi hatte stets Ideen zum gemeinsamen Spielen mit den anderen
Kindern. Das Dorf bestand aus drei Bauernhöfen. Weil es aber viele Einzelhöfe gab, war  
das bereits ein kleines Dorf. Meine Mutter stammte von einem großem Bauernhof.  
Deshalb staunte sie wie ich, ohne dies dem Bauer mitzuteilen.
Schlesien war die damalige Kornkammer Deutschlands, so dass die Feldarbeit mit
technischen Ackergeräten erleichtert wurde. Dieser Bauer besaß nur einen von Pferden
gezogenen Rasenmäher. Das Getreide wurde mit der Sense gemäht. Vier oder fünf
Männer mähten das Getreide.  Das Wetzen der Sense war eine kleine Ruhepause.  
Hinter jedem Schnitter ging eine Frau, die das Getreide aufhob und beiseite legte.
Später wurden Garben daraus gebunden. Ich war als letzter Getreideheber eingeteilt,
aber als Kind natürlich körperlich überfordert, so dass ich mittags wie ein Stein einschlief .
Ich hatte Holzlatschen erhalten, die ich nur halbwegs tragen konnte, weil ich den linken
Pantoffel nicht halten konnte. Niemand fragte: Was hast du denn am Bein? Barfußlaufen
ist auch auf Stoppeln möglich, wenn man lernt schlürfend zu gehen .

SCHULE

In den ersten Wochen nach der Flucht ging ich nach Rottalmünster den zwei Kilometer
Fußweg zur Schule. Nach den Sommerferien begann der Schulunterricht und hatten
Nonnen als Lehrerinnen. Sie hießen Englische Fräulein und trugen eine die Haare  
verdeckende Haube. Ab 1946 unterrichtete ein Lehrer aus Schlesien etwa 5O Jungen.
Es waren drei Klassen zusammengefasst. Ich gehörte zur 6.Klasse. Der strenge Lehrer
machte gern Kopfrechnen, was mir Spaß machte, weil ich oft das Ergebnis vor anderen
auch älteren Schülern präsentierte.
Einige evangelische Flüchtlingslehrer setzten durch, dass eine evangelische Schule  
eingerichtet wurde. Nun lernten vier Klassen miteinander, so dass Mädchen und Jungen  
gemeinsam unterrichtet wurden. Nun wurde ich als Rechenkünstler tituliert, weil unsere
Lehrerin ebenfalls das Kopfrechnen übte und ich meistens zu den schnellsten Rechnern
gehörte. In dieser ländlichen Gegend war die höhere Schule weit entfernt. Entscheidend  
war, dass Schulgeld bezahlt werden musste, was meine Eltern nicht zahlen konnten.
Dies hatte mir meine Mutter bereits im Sommer 1945 erzählt als sie mir mitteilte, dass
der gefallene Bruder zu Hause von der höheren Schule runter musste, weil sie das
Schulgeld nicht bezahlen konnten. Ziemlich erstaunt war ich als ich im Alter von einem
Gleichaltrigen aus den Medien erfuhr, dass er noch kurzfristig auf eine Eliteschule der
Nazi gegangen war. Ohne das wirklich zu gestehen, war dies nur möglich, wenn der
Vater zumindest sich zu dem System bekannt hatte.
Vielleicht war ich nicht hochbegabt, dass Lehrer meinten: Der Staat solle mich fördern.
Wie ich später erfuhr, waren besonders Flüchtlingskinder von der ungleichen Bildung
betroffen.

BERUF

Viele Jahre danach erfuhr ich, dass meine Eltern versäumt hatten außerhalb dieser
dörflichen Atmosphäre nach einer Ausbildung für mich zu suchen. Es war eine tief
empfunde prsönliche Niederlage für mich als ich mit 15 Jahren die Aufnahmeptüfung
bei der Post als einziger von elf Prüflingen bestanden hatte, aber wegen meiner
geringen poliobedingten Gehbehinderung nicht angenommen wurde.
"Es ist wichtiger Kriegsversehrte einzustellen ...", lautete der Grund von der
Oberpostdirektion 1949. Besonders schockierend für mich war, dass mein Vater
allen Ernstes sagte:" Du hättest das mit dem Bein verschweigen müssen."
Längst hatte ich gespürt, dass mein Vater mit seiner vergangenen Lebensgeschichte
nicht zufrieden war und kaum das Leben neu beginnen wollte.
Der Spruch: " Alle haben die Ärmel hochgekrempelt", hatte im Leben eine Kehrseite.
Deshalb machte er einen genauso enttäuschten Eindruck, wie ich nach dieser Mitteilung.
Dass laut Grundgesetz ein Einspruch möglich gewesen wäre, wußte er nicht oder er
lebte die Überzeugung: Wenn von "oben" eine Entscheidung kommt, wird die richtig
sein. Es war nur die Ausbildung in einer Lehrwerkstätte möglich. Ein winziger Trost blieb,
dass ich das Schicksal mit vielen Flüchtlingskindern teilen mußte.
1951 wurden erneut 3O Lehrlinge für die dreijährige Handweberlehre aufgenommen.
Durch meine Gehbehinderung und meine bedächtige Sprechweise waren für mich die
Jahre von Schikanen und Mobbing etlicher Jungen geprägt. Ich überstand diese Zeit
fast unbeschadet, weil ich einigen beim Rechnen half und mir Franz D. beistand, wenn
es darum ging mich körperlich wehren.
Mir fehlte das Gen, wie es heute heißt, mich durch Raufen durchzusetzen. Irgendwie
verstand ich es nicht, warum sich ein Junge prügeln soll Uns ich fragte: Warum?.
Neben der beruflichen Theorie interessierte ich mich für Autosuggestion von der ich
erfahren hatte. Für 5,- DM monatlich erhielt ich einige Hefte, die das Thema erklärten.
Selbstverständlich behielt ich wenig davon. Aber es war das Gebiet, was meine
Begabung bestärkte weiter autodidaktisch zu lernen.
"Öl für die Lampen Chinas ", hieß der erste Roman, den ich las und unterhaltsam fand.
Der bereits reiche Rockefeller verteilte kleine Öllampen und verdiente später durch das
Öl. Reich kann nur der werden, der früh genug versteht, dass man andere für sich
arbeiten lassen muss. Natürlich weiß ich, dass auch die Marktlücke erkannt werden muß.
Dass die Millionen, die für den Reichtum anderer schuften, beteiligt werden müssten,
will weder die Politik noch die Gesellschaft wahrhaben. So kann sich eine Minderheit auf
Kosten und mit Hilfe der Mehrheit  bereichern und durch das Geld Macht ausüben und die
Verantwortlichen nehmen dies hin als wäre dies so von Gott gewollt .
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